Festtage

Ostern in Zeiten der Vogelgrippe: Jetzt werden auch noch die Eier knapp!

Verbraucher haben ihr Kaufverhalten deutlich verändert und vor den Oster-Feiertagen gibt es einen Run auf billige Eier.

Frische Bioeier: Eier aus ökologischer Erzeugung sind in Deutschland weiter gefragt.
Frische Bioeier: Eier aus ökologischer Erzeugung sind in Deutschland weiter gefragt.Matthias Bein/dpa

Deutschland ist ein Eierland: Zwar ist es nicht Europameister beim Verzehr dieser Hühnerprodukte, sondern steht hinter Dänemark „nur“ auf Platz 2. Doch Eier sind weiterhin sehr beliebt – trotz des veganen Zeitgeists: Im vergangenen Jahr lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland pro Jahr bei 230 Eiern, das macht knapp 19 Milliarden Stück.

Im Durchschnitt sind das vier Eier pro Kopf und Woche, doch in der Osterzeit steigt die Zahl dann im Schnitt auf acht Eier. Da in Deutschland nun allerdings seit einigen Wochen wieder die Vogelgrippe verstärkt grassiert, stellt sich die Frage: Gibt es derzeit ausreichend Eier für das Osterfest?

Die Antwort lautet eindeutig Jein. „Das Angebot im Handel ist inzwischen mitunter knapp“, sagte Wolfgang Schleicher der Berliner Zeitung. Der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft zählt dafür gleich mehrere Gründe auf: „Auch in Deutschland hat die Vogelgrippe dazu geführt, dass Betriebe mit Legehennen betroffen waren.“ Dort mussten dann auch die Bestände vorsorglich gekeult werden. Es kam dann hinterher auch vor, dass Landwirte keine neuen Tiere mehr in den Stall gestellt haben oder die Bestände reduzierten. „Die Vogelgrippe ist ein globales Problem“, sagt er. Auch in den USA waren viele Betriebe von Geflügelhaltern betroffen.

Keine Todesfälle in Europa

Tritt in einer Region die Geflügelpest auf, müssen dort alle Nutzvögel im Stall bleiben. Wie viele Regionen aktuell in Deutschland von der Stallpflicht wegen der Vogelgrippe betroffen sind, ist unklar, weil das in der Hoheit der Landkreise liegt. Aber wenn die Tiere nicht mehr draußen auf der Weide sein dürfen, sondern nur noch im Stall, dürfen die Bauern die Eier nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr als Freiland-Produkte vermarkten, sondern nur noch als billigere Bodenhaltungseier. Das kann für die Branche durchaus zu einem wirtschaftlichen Problem werden: Denn über Jahre erhöhten sie den Anteil der tierfreundlicheren Haltungsbedingungen immer weiter auf inzwischen 33 Prozent.

Die derzeit wieder verstärkt grassierende Vogelgrippe-Variante H5N1 ist hochansteckend und für Vögel fast immer tödlich. Sie tritt seit Oktober 2020 verstärkt bei Wildvögeln auf, besonders bei Wasser- und Greifvögeln. Da nun im Frühjahr wieder die Zugvögel aus dem Süden zurückkommen, wird verstärkt damit gerechnet, erkrankte oder verstorbene Wildtiere zu finden. Am Mittwoch gab der Senat bekannt, dass auch drei Möwen in Berlin daran gestorben sind.

Bunte Eier sind ein fester Bestandteil von Osterbräuchen.
Bunte Eier sind ein fester Bestandteil von Osterbräuchen.Patrick Pleul/dpa

Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass die Krankheit von Wildvögeln in heimische Ställe gelangt. Dann werden die Anlagen abgeriegelt und alle Tiere vorsorglich getötet.

In Einzelfällen können auch Menschen an Vogelgrippe erkranken. Weltweit wurden seit 2002 laut Weltgesundheitsorganisation WHO 868 Krankheitsfälle gezählt, 457 Menschen starben. Fast alle Fälle ereigneten sich bis 2019. In Europa gab es bislang keinen Todesfall. Allerdings werden in jüngster Zeit immer wieder Fälle bekannt, bei denen die Vogelkrankheit auch bei Säugetieren nachgewiesen wurde. Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte vergangene Woche, dass die Krankheit auch bei vier Füchsen in Niedersachsen nachgewiesen wurde. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei bislang nicht nachgewiesen worden. Doch potenziell könnte das Virus entsprechend mutieren. Deshalb sollen die Pandemie-Pläne überprüft werden.

Vor allem billige Eier beliebt

Für die aktuelle Eier-Knappheit gibt es auch einen weiteren Grund: das geänderte Einkaufsverhalten der Bürger. „Die Nachfrage bei Eiern aus Biohaltung und aus der Freiland-Haltung ist gesunken“, sagt Verbandsvertreter Wolfgang Schleicher. Noch gibt es keine konkrete Umfrage zu den Gründen, aber er vermutet, dass es ganz schlicht an den Preisen liegt: Bio-Eier und Produkte aus Freilandhaltung sind nun mal deutlich teurer, Bio-Ware meist doppelt so teuer. „In Zeiten des Krieges und der explodierenden Energiepreise schauen die Konsumenten nun wohl auch bei den Eiern viel mehr auf den Preis“, sagt Schleicher. Deshalb steige die Nachfrage nach Eiern aus der Bodenhaltung besonders stark. Das ist die niedrigste Form der Haltung und die preiswerteste.

Und wie sieht es nun mit der Feiertagsversorgung der Bürger vor Ostern aus? Wird es genügend Eier geben? „Davon gehe ich aus“, sagt Schleicher. „Aber nicht alle Kundinnen und Kunden werden immer genau jene Eier kaufen können, die sie eigentlich haben wollten. Es kann sein, dass die Leute lieber preisgünstige Bodenhaltungseier wollen, aber nur teure Bio-Eier bekommen.“

Seit 2022 gilt ein neues Gesetz, dass männliche Küken in der Eierproduktion nicht mehr geschreddert werden sollen. Bislang mussten sie sterben, weil sie keine Eier legen.
Seit 2022 gilt ein neues Gesetz, dass männliche Küken in der Eierproduktion nicht mehr geschreddert werden sollen. Bislang mussten sie sterben, weil sie keine Eier legen.Philipp Schulze/dpa

Die Knappheit könnte sich wohl fortsetzen. Denn als weiteren Punkt nennen die Hühnerhalter die Verschärfung der Gesetze in Deutschland: Es ist das einzige Land, in dem für die Eierproduktion nicht mehr die Männchen der frisch geschlüpften Küken getötet werden dürfen. Das Verbot wurde aus Gründen des Tierwohls verfügt. Manchen Bauern sind nun heimische Legehennen zu teuer und sie kaufen die Tiere in Nachbarländern, weil es dort nicht so harte Vorschriften gibt und die Legehennen billiger sind.

Zwar wurden in Deutschland im Vorjahr erstmals mehr als 500 Millionen Legehennen gehalten, trotzdem werden Eier im Laden mitunter zu einem knappen Gut. Denn das Küken-Tötungsverbot gilt nur für sogenannte „Schaleneier“ im Laden, aber nicht für Eier, die an Lebensmittelbetriebe zur Weiterverarbeitung verkauft werden. „Deshalb kann es für Produzenten wirtschaftlicher sein, ihre Eier an solche Betriebe zu verkaufen“, sagt Schleicher. Und es gibt weniger im Laden.