Im Jahr 1925 wurde das letzte Flussbad in Berlin geschlossen. Das ist nun fast 100 Jahre her, und schon damals war die Spree zum Baden zu dreckig. Den Berlinern hat man zwar die miserablen Lebensbedingungen in Mietskasernen zugemutet, aber auf gar keinen Fall das Brackwasser der Spree. Eine Angst ist kollektiv fest verankert in der Berliner Seele, die Angst vor Hautausschlägen und Diarrhoe – ausgelöst durch Kolibakterien, die direkt aus dem Berliner Abwasser in die Spree gespült wurden.
Als nun in diesem Sommer eine Gruppe von Touristen nach der Kanutour beherzt in das Wasser am Urbanhafen sprang, herrschte für einen Moment lang Stille unter den für ihre Berliner Schnauze bekannten Anwohnern Kreuzbergs. Alle hielten den Atem an und schauten die Badenden ungläubig an. „Hier würde ich noch nicht einmal meinen Hund reinlassen“, sagte der Erste, der wieder Worte fand.

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