Die Staatsoper Unter den Linden präsentiert in der kommenden Saison sechs Premieren. Eine davon ist „Die Fledermaus für Kinder“, eine andere „La Calisto“ des frühbarocken Komponisten Francesco Cavalli, mit der die kurzfristig verschwundene Reihe der Barocktage wiederbelebt wird, was sehr zu begrüßen ist.
Es bleiben damit vier Premieren im klassischen Repertoirebereich. „Manon Lescaut“ von Puccini, inszeniert von Johannes Erath, und „La forza del destino“ von Verdi in der Regie von Vasily Barkhatov provozieren eine gewisse Verblüffung: Als mit Asmik Grigorian und Lise Davidsen hervorragend besetzte Allzweckwaffen im Kampf um die Saalauslastung stehen sie ein wenig beziehungslos neben den beiden anderen, seltener bis nie zu hörenden Stücken.
Zum einen ist das „La Vestale“, das Meisterwerk jenes Gaspare Spontini, der nicht nur unter Friedrich Wilhelm III. Dirigent der heutigen Staatsoper war, sondern für den auch der Titel Generalmusikdirektor erfunden wurde; Regie führt Lydia Steier. Dazu kommt Engelbert Humperdincks „Königskinder“, die David Bösch inszenieren wird, eine traurig ausgehende Märchenoper, die zu dirigieren sich der gegenwärtige Generalmusikdirektor Christian Thielemann zur Aufgabe erwählt hat. Fünf Aufführungen dieses Werks und je drei von „Tristan“ und „Tannhäuser“ sind die einzigen Gelegenheiten, zu denen Thielemann den Orchestergraben betritt.
Ganze elf Aufführungen – dazu sieben Konzertprogramme und drei Aufführungen des „Rosenkavalier“ in Shanghai – provozieren Fragen. Thielemann schlägt interessante Wechselkurse vor: Ein „Tristan“ sei so viel Arbeit wie fünf „La Bohème“. Niemand spricht so viel von der Arbeit wie er, man erinnert sich an die Pressekonferenz zur „Schweigsamen Frau“, in der Thielemann eindrucksvoll die exorbitanten Schwierigkeiten der Partitur beschrieb.
Diesmal beklagt er sich über schwer lesbare Tonarten in Humperdincks „Königskinder“. Und die Strauss-Lieder, deren Gesamtaufführung Thielemann in der kommenden Saison fortsetzt, seien für die Sängerinnen sehr schwer – und sie dann nur für eine Aufführung zu lernen … Ja nun, ist es zu viel verlangt, wenn diese hervorragend bezahlten und berühmten Menschen sich einmal anstrengen müssen?! Dank der Gastspiele in Asien und Europa darf Camilla Nylund nun insgesamt fünfmal für ein vermutlich hohes Honorar diese tückischen Strauss-Lieder singen – da lohnt sich die Mühe doch vielleicht?
Thielemann erklärte seine sicher nicht generalmusikdirektorenmäßige Auftrittsfrequenz mit der Kurzfristigkeit seiner Berliner Anstellung und seinen eingegangenen Verpflichtungen in Bayreuth und Wien, wo er indes auch nur sein übliches Repertoire betreut. Auf mehr Präsenz bleibt also zu hoffen, und vielleicht auch auf ein bunteres Repertoire, denn auch in diesem Jahr tut Thielemann nur einen Schritt aus dem langen deutschen 19. Jahrhundert für ein Mozart-Konzert mit dem Pianisten Rudolf Buchbinder – danach geht es gleich wieder mit Bruckners Vierter weiter.
