Frau Europa sitzt mental ziemlich derangiert am Tresen einer hübschen kleinen Euro-Tankstelle, die zugleich eine Kneipe ist. Nein, die Benzinpreise sind es nicht, die ihren Kopf so hängen lassen. Es sitzt tiefer. Immer wieder träumt sie vom Sterben, und zwar von einem äußerst unschönen. Von ungefähr so einem, wie es der Diktatorengattin Elena Ceausescu widerfuhr, als sie im Winter 1989 standrechtlich erschossen wurde von Landsleuten, die sie kurz zuvor noch „ihre Kinder“ genannt hatte.
Aber warum nur fühlt sich die gute Europa dieser Tage dem grausigen Schicksal der Diktatorin so nahe? Spürt sie etwa, dass auch hier gerade etwas ungut ins Wanken gerät, auch wenn auf den 60er-Jahre-Zapfsäulen von Dominik Kremerskothen die Aufschrift „Alles Super“ blinkt? Fühlt sie sich auch deshalb so komisch, weil meterlange Stacheldrahtrollen die Ausgänge der Neuköllner Oper „sichern“? Da fragt sie sich zu Recht, wo sie hier denn sitzt, an der Quelle des Humanismus oder der Blutsaugerei.

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