Demenz

In Chemnitz und Berlin: Eine Einladung für die, denen das Leben abhandenkommt

Wenn einer nicht mehr denken kann wie früher, ist viel nicht mehr möglich. Zwei Kultureinrichtungen in Sachsen und Berlin ändern das nun mit speziellen Angeboten.

Führung für Menschen mit Demenz: Sophie Charlotte lädt in ihr Schloss.
Führung für Menschen mit Demenz: Sophie Charlotte lädt in ihr Schloss.Julian Stähle/Malteser Berlin

Die deutsche Gesellschaft altert rasant, in zehn Jahren wird jeder Vierte über 67 oder älter sein. Das heißt, dass auch die Zahl der Menschen immer größer wird, die unter Demenz leiden. Schon jetzt sind es in Berlin rund 65.000. Es ist gut, dass es Kultureinrichtungen gibt, die sich diesen Menschen auf spezielle Weise öffnen, damit ihnen das Leben nicht ganz abhandenkommt.

Denn wenn einer nicht mehr denken kann wie früher, wenn er die Orientierung verliert, ist vieles nicht mehr möglich. Teilhabe am Kulturleben zum Beispiel, durch den Besuch eines Museums, eines Konzerts.

Im Berliner Schloss Charlottenburg gibt es nun eine speziell entwickelte Führung für Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen, 60 Minuten lang, in einem geschützten Raum. Hinter dem neuen Format „Mehr (er)leben“ stehen die Malteser, die gern noch weitere Kulturorte für die Bedürfnisse demenzkranker Menschen sensibilisieren wollen.

„Die sinnliche Erfahrung ist der zentrale Unterschied zu klassischen Führungen“, sagt Christine Gruschka, Kulturpädagogin und Projektkoordinatorin bei den Maltesern. Es geht ums Sehen, Hören, Tasten, Riechen. Und um ein gemeinsames Erleben für Menschen mit Demenz und diejenigen, die sie betreuen, an einem Ort, an dem sie Wertschätzung erfahren.

Auch Chemnitz macht mit

Im Mittelpunkt der Führung steht Königin Sophie Charlotte. Eine Darstellerin führt durch ausgewählte Räume und in den Schlossgarten. Kurze, lebendige Erzählungen ersetzen historische Faktenvermittlung. Düfte wie Rosmarin und Lavendel, das Fühlen von Damaststoffen oder das Hören höfischer Musik eröffnen Zugänge über Erinnerungen und Emotionen. Wer möchte, kann sich beim Tanz mit Fächern beteiligen,  teilt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit.

Auch Chemnitz macht mit. „Raum für Resonanz“ lautet der Titel eines neuen Konzertformats. Die Streicher der Robert-Schumann-Philharmonie spielen am Freitag bekannte Melodien, Mozarts kleine Nachtmusik etwa, Lieder wie „Alle Vögel sind schon da“. Mitsingen ist erwünscht. Musik gilt als ein „Königsweg“, um Zugang zu Menschen mit Demenz zu finden. Musik hat Heilkraft.

 Führungen im Schloss Charlottenburg am 14. April, 19. Mai, 22. September und 3. November um jeweils 14 Uhr. Anmeldung: 030-348003221 oder demenzkultur.berlin@malteser.org