Das Hagen-Quartett verabschiedet sich nach 45 Jahren Konzerttätigkeit mit einer Tournee von seinem Publikum; am Freitag war es im Pierre-Boulez-Saal zu Gast. Man geht danach mit nicht geringer Wehmut in den Abend; es ist, als wäre nun die deutsch-österreichische Musiktradition wirklich vorbei. Als produktive Tradition war sie mit den letzten Werken Anton Weberns und Arnold Schönbergs erledigt, blieb jedoch durch Interpreten wie Alfred Brendel, das Alban-Berg-Quartett und durch die produktive Polarität der Dirigenten Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt in aufregender Weise am Nachleben.
Das Hagen-Quartett, das Harnoncourt wesentliche Förderung und Impulse verdankt, markiert vielleicht den letzten, subtilsten und differenziertesten Ausläufer einer Musiktradition, in der Melodien nicht einfach präsentiert, sondern eng mit ihrer Begleitung verwoben werden, in der solche Melodien auch nicht fixiert, sondern in Entwicklung begriffen sind – und das nicht aus Selbstzweck, sondern zur Steigerung des Ausdrucks und seiner Sprachfähigkeit.

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