Gasturbine verschollen? Gazprom: Immer noch keine Papiere von Siemens bekommen

Die Nord Stream 1-Turbine soll bereits von Kanada nach Deutschland gebracht worden sein. Doch nun meldet Gazprom fehlende Unterlagen. Und Siemens schweigt.

Die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin.
Die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin.dpa

Bereits am 21. Juli soll die Ostseepipeline Nord Stream 1 aus der Wartung gehen. Wie viel russisches Gas fließt dann wieder nach Deutschland? Der russische Staatskonzern Gazprom macht die sichere Gasversorgung Europas allerdings von der Rückgabe einer Siemens-Turbine abhängig.

Aber dazu habe man trotz früherer Anfragen (am 16. Juli - Anm. d. Red.) immer noch keine offiziellen Dokumente von Siemens erhalten, meldet der Konzern am Mittwochmittag, die eine Lieferung des Gasturbinentriebwerks für die Verdichterstation Portowaja unter Berücksichtigung kanadischen und EU-Sanktionen ermöglichen könnten.

Unter diesen Umständen hat Gazprom nach eigenen Angaben Siemens nun erneut aufgefordert, solche Unterlagen bereitzustellen. Man mache erneut darauf aufmerksam, heißt es in einer Mitteilung, dass die garantierte Rückgabe des zuvor unter Sanktionsauflagen zur Reparatur geschickten Triebwerks direkte Auswirkungen auf den sicheren Betrieb der Gaspipeline Nord Stream habe. An der Rückführung der Turbine aus Kanada schließe sich auch eine Überholung weiterer Triebwerke für die Verdichterstation Portowaja an, erinnerte der Konzern.

Ende Juli wird Gazprom eine weitere Turbine in der Verdichterstation Portowaja wegen Reparaturen deinstallieren. Sollte die Gasturbine aus Kanada nicht rechtzeitig eintreffen, könnten die Gaslieferungen nach Europa noch um das Doppelte sinken, also auf nur noch 20 Prozent, warnte Kremlchef Wladimir Putin am Vortag.

Turbine offenbar schon in Deutschland eingetroffen

Zuvor hatte die russische Zeitung unter Verweis auf eigene Quellen in der Industrie berichtet, dass die betroffene Turbine bereits am Sonntag mit einem Flugzeug nach Deutschland transportiert worden sei. Als nächstes soll die Turbine laut dem Bericht per Fähre über die Ostsee und auf dem Landweg per Lkw über Helsinki, Finnland, zum Startort der Ostseepipeline transportiert werden. Nach dem Zollverfahren könnte es allerdings noch einige Tage dauern, bis die Turbine in Russland eintrifft. Für die Installation bräuchte man dem Bericht zufolge weitere drei bis vier Tage.

Siemens Energy wollte die Informationen im „Kommersant“-Bericht auf Anfrage der Berliner Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Man gebe zum Standort der Turbine keine Kommentars, so ein Siemens-Sprecher. Es bleibe aber bei dem Ziel, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren. Auf erneute Anfrage zu Gazproms Vorwürfen antwortete der Siemens-Sprecher Alfons Benzinger am Mittwochnachmittag mit klassischen Floskeln: „Die Wartung von Turbinen ist für uns unter normalen Umständen ein Routinevorgang. Sofern politisch gewünscht und aufgrund des Sanktionsregimes möglich, werden wir also weitere Turbinen mit den üblich hohen Qualitäts-Standards warten, wenn wir dazu beauftragt werden. Unser Ziel ist in solchen Fällen immer, die Turbine so schnell wie möglich wieder an ihren Einsatzort zu transportieren.“

Noch früher am 13. Juli hatte Gazprom bekanntgegeben, dass man ohne geforderte Unterlagen „keine objektive Einschätzung machen könne, wie die sichere Arbeit der Verdichterstation Portowaja gewährleistet werden könne“. Vor diesem Hintergrund ist es nicht auszuschließen, dass ab 21. Juli vorerst kein russisches Gas nach Deutschland fließt.