Giffeys Geheimwaffe: Wieso die falschen Klitschkos an ihr scheiterten

Das Video der Kreml-Komiker mit der Regierenden Bürgermeisterin ist nach langem Warten erschienen. Mit einer Qualität von Giffey hatten sie nicht gerechnet.

Ausschnitte aus dem Gespräch mit Franziska Giffey im „Vovan und Lexus“-Studio
Ausschnitte aus dem Gespräch mit Franziska Giffey im „Vovan und Lexus“-StudioScreenshot/Rutube

Manchmal ist Langeweile eine Tugend, zumindest hat sie sich für Franziska Giffey im Fall des Videos der Kreml-Komiker als solche herausgestellt. Heute wurde das lang erwartete Video, in dem sich die Russen als Vitali Klitschko ausgegeben hatten, veröffentlicht. Doch für einen Skandal taugt nichts, was darin zu sehen ist.

Am Donnerstagvormittag veröffentlichte das kremlnahe Komiker-Duo „Vovan und Lexus“ Ausschnitte aus dem Gespräch mit Berlins Regierender Bürgermeisterin. Diese wechseln sich ab mit Kommentaren der russischen Prankster. In dem Online-Video, das auf dem russischen Youtube-Ableger „Rutube“ publiziert wurde, berichten die Fake-Klitschkos der Bürgermeisterin von einer Hilfsleistung aus dem März, die vom Land Berlin an die ukrainische Hauptstadt gehen sollte, aber angeblich gestohlen wurde.

„Das ist natürlich bedauerlich“, sagte Franziska Giffey daraufhin. „Ich hoffe, dass diejenigen, die das gestohlen haben, wenigstens die Mittel einsetzen, um den Menschen zu helfen“, so Giffey. Um welche konkreten Hilfeleistungen es sich gehandelt haben solle, bleibt unklar.

Vovan und Lexus behaupten, überrascht von mangelnder „deutscher Ordnung“ zu sein. In einem der Gesprächs-Ausschnitte fragte das russische Täuscher-Duo, wie die Situation geflüchteter Ukrainer in Berlin aussehe. „Wir sind darauf vorbereitet, dass im Herbst wieder mehr Menschen kommen werden“, sagt Giffey. Sie thematisiert „Schwierigkeiten in der Vermittlung von Wohnraum“. Nach Angaben der Bürgermeisterin seien Wohnungen in Berlin knappes Gut.

Giffey sollte Gay-Pride in Kiew unterstützen

Auf Giffeys Frage, wie konkret das Land Berlin die Stadt Kiew unterstützen könne, sagten die Komiker: „Zuallererst wollen wir eine Parade veranstalten, eine Gay-Parade“. Sie wollten wissen, ob Berlin bei einer solchen Parade unterstützen könne. Giffey sagte zu und wollte Kollegen der Antidiskrimininierungsstelle in die ukrainische Hauptstadt vermitteln.

Im Anschluss kommentierte Studiogast Alina Lipp die kurzen Szenen des Giffey-Videos. Die Bloggerin wurde von Vovan und Lexus als „unabhängige Journalistin aus Deutschland“ betitelt. Dabei ist Lipp eine der wichtigsten russischen Stimmen in Deutschland, die kremlnahe Narrative in den sozialen Medien verbreitet. Sie betreibt auf Instagram den Kanal „neuesausrussland“ und sieht sich selbst als „Deutsch-Russische Friedensjournalistin“.

Angebliche Russophobie in Deutschland

Die Putin-Influencerin sprach von einer „großen Russophobie“ in Deutschland und einer anti-russischen Propaganda, die in deutschen Medien schon vor 15 Jahren begonnen haben solle. Ein weiteres Thema war die europäische Sanktionspolitik gegen Russland. Alina Lipp beobachtet eine angebliche Veränderung der Einstellungen zu den Sanktionen. „Was hat der russische Nachbar mir denn angetan?“, fragt sie in die Runde.

Das russische Duo ist seit Jahren bekannt dafür, teils ranghohe Politiker und andere internationale Promis mit Fake-Anrufen hereinzulegen. In den vergangenen Monaten hatten die beiden von den Staatsmedien und der russischen Führung gefeierten Trolle mehrere europäische Bürgermeister und andere Prominente in die Irre geführt.

Dazu zählen der ehemalige US-Präsident George Bush Jr., der kanadische Premierminister Justin Trudeau oder die Schriftsteller J.K. Rowling und Stephen King. Auch die Bürgermeister von Warschau, Budapest, Wien und Madrid wurden von „Vovan und Lexus“ reingelegt.