Große Berliner S-Bahn-Ausschreibung verzögert sich weiter

Für Berlin ist die S-Bahn unverzichtbar. Nun geht es in einem milliardenschweren Vergabeverfahren um ihre Zukunft. Doch es gibt eine weiteren Zeitverzug. 

Fahrt frei! Ein S-Bahn-Zug verlässt die Station Buckower Chaussee an der S2. Auch der Betrieb dieser Linie gehört zum Ausschreibungspaket.
Fahrt frei! Ein S-Bahn-Zug verlässt die Station Buckower Chaussee an der S2. Auch der Betrieb dieser Linie gehört zum Ausschreibungspaket.Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Es geht um die Zukunft der Berliner S-Bahn. Wer wird mehr als 1300 Wagen liefern? Wer wird die neuen Züge fahren und instand halten? Das bislang größte Vergabeverfahren im Nahverkehr dieser Stadt soll Antworten liefern. Doch nun wurde bekannt, dass sich der Beginn einer weiteren wichtigen Etappe verzögert. Es ist nicht der erste Aufschub.

Im nächsten Abschnitt wird es darum gehen, verbindliche Angebote zu erarbeiten und einzureichen. Dafür wird den Bietern acht Monate Bearbeitungszeit gewährt. Im Juni  hieß es, dass sie die Unterlagen im Juli erhalten. Dann war von Ende August die Rede. Doch auch dieser Zeitpunkt ist nun verstrichen. Nach Informationen der Berliner Zeitung sollen die Unterlagen jetzt frühestens am 7. Oktober versandt werden.

Auftragsvolumen acht Milliarden Euro

„Wir warten“, hieß es in Branchenkreisen. Im Sommer hatte der Senat bereits eine Verschiebung bekannt gegeben. Sollte der Zuschlag ursprünglich im vierten Quartal dieses Jahres erteilt werden, ist inzwischen vom dritten Quartal 2023 die Rede. In der Verwaltung von Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) ist man trotzdem zuversichtlich, dass der Betrieb nach den künftigen Vereinbarungen in etwas mehr als vier Jahren beginnen kann. Bis dahin wird die zum DB-Konzern gehörende S-Bahn Berlin GmbH, die derzeit alle Strecken betreibt, Interimsverträge bekommen. 

Bislang war vorgesehen, dass die Inbetriebnahme nach dem neuen Verkehrsvertrag für die Nord-Süd-Linien am 14. Dezember 2026 beginnen. Am 17. Januar 2028 soll es auf den Ost-West-Strecken der Stadtbahn losgehen. Es geht um elf Linien, zwei Drittel des S-Bahn-Verkehrs in Berlin. Dafür werden mindestens 1308 Wagen benötigt, die Eigentum des Landes Berlin werden. Für weitere 852 Wagen gibt es eine Option. Angekündigt werden verbesserte Barrierefreiheit, Klimatisierung und gute Fahrgastinformation.

Bei der europaweiten Ausschreibung suchen Berlin und Brandenburg Unternehmen, die diese Fahrzeuge bauen sowie 15 Jahre lang betreiben. Auf die siegreichen Firmen warten Aufträge mit einem Gesamtvolumen von rund acht Milliarden Euro.

Steuerzahler könnten 800 Millionen Euro sparen

Bislang wurde bekannt, dass sich die Deutsche Bahn sowie die Schienenfahrzeughersteller Siemens/Stadler und Alstom an dem Verfahren beteiligen. Nachdem zunächst öfter der Name des Zugbetreibers Transdev (Frankreich) fiel, ist inzwischen von Abellio (Niederlande) die Rede. Offizielle Bestätigungen gibt es nicht.

Alstom hat Ende Juni des vergangenen Jahres bei der Berliner Vergabekammer, die zur Senatswirtschaftsverwaltung gehört, einen Nachprüfungsantrag eingereicht. Allerdings gibt es dem Vernehmen nach immer noch keinen Verhandlungstermin. Das Vergabeverfahren darf weiter gehen. Aber eine Vergabe darf vor einer rechtskräftigen Entscheidung. Die Vergabekammer ist die erste Instanz.

Befürworter des Vergabeverfahrens argumentieren, dass der Wettbewerb „Monopolpreise“ der DB verhindere, Steuerzahler könnten über 15 Jahre insgesamt 800 Millionen Euro sparen. Gewerkschafter, Linke und Sozialdemokraten befürchten dagegen eine Zerschlagung und Privatisierung der S-Bahn.